Anders als die Anderen

Heute beschäftigen wir uns einmal mit Herrn von Donnersmarcks oscarprämierten Film Das Leben der Anderen. Im Vorhinein viel Gutes gehört, auch wenn diverse Dozenten eher wetternten gegen den Oscarkandidaten. Also wurde es allerhöchste Zeit mir ein eigenes Bild zu machen, so geschehen am gestrigen Abend. Meine Erwartungen waren nicht hoch, genaugenommen hatte ich mich nicht einmal großartig über die Materie informiert.

Der Film spielt mitte der 80er in Ostberlin. Mit Aussicht auf rasche Beförderung überwacht der äußerst korrekte, linientreue Stasi-Hauptmann Wiesler (Ulrich Mühe) den prämierten Dichter und Dramatiker Georg Dreymann (Sebastian Koch) und dessen Freundin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck). Anfangs von der Schuld der Linienuntreue des Künstlers überzeugt, lässt der Hauptmann Abhör -und Überwachungsgeräte in der Wohnung installieren und dringt somit immer tiefer in die Privatsphäre des Paares ein. Allmählich wird Wiesler die eigene innere Leere seines Lebens bewusst, als sich die Ereignisse überschlagen und es tatsächlich klare Beweise für staatsfeindliche Aktivitäten seitens Dreymann gibt. Wiesler muss eine Entscheidung treffen… Steht er treu zu seinem Land und verrät Dreymann oder hilft er dem Menschen, der ihn daran erinnert hat, was Leben bedeutet?

Klingt spannend? Ist es über weite Strecken auch, aber insgesamt schlägt der Film bei seinen knapp 130 Minuten ein gemächliches Tempo an. Nichtsdestotrotz entwickelt sich eine ergreifende Geschichte und der Zwist, der im Stasi-Hauptmann langsam beginnt zu keimen, lässt den Zuschauer sehr gut mitfühlen ohne jemals ein übernatürliches heroisch-selbstopferndes Bild zu zeichnen, wie wir es aus der Traumfabrik kennen. Die Aktionen und Reaktionen erscheinen über weite Strecken authentisch und nachvollziehbar, dazu ein breites Spektrum von Stimmungen (vor allem die melancholische des Hauptmann Wiesler ist sehr gut eingefangen), gelungene, aber meist kalte Bilder und der ständige Gedanke “Was wäre wenn wir heute noch in dieser Welt leben würden?” ergreifen den Zuschauer und lassen ihn bis zum tragischen Finale nicht mehr los. Die schauspielrische Leistung ist konstant auf einem gewaltigen Niveau, grade für eine deutsche Produktion (vor allem Ulrich Mühe), und sogar der Score, der gemächlich im Hintergrund läuft, ist oft zur Situation passend gewählt. Wollte man einen schwarzen Fleck auf Von Donnersmarcks ansonsten weißer Weste finden, könnte man den langen Epilog nach dem Finale bemängeln. Meiner Meinung hätte man dort mit einigen Schnitten und Kürzungen bessere Ergebnisse erzielen können.

Was haben wir gelernt? Glaub nicht immer das, was ein Dozent dir sagt. Ob der Film den Oscar verdient hat, noch vor Vertretern wie Pan’s Labyrinth, sei dahingestellt. Ehrlichgesagt halte ich nicht viel von der Academy. Tatsache ist, Das Leben der Anderen macht vieles anders als andere deutsche Filme und auf diese Weise vieles richtig. Daumen hoch!

straydogstraydogstraydogstraydog

Leave a Reply