Tanz der Teufel
Am 2. Dezember fand im Kino des Museum Ludwig ein vom Filmbüro NW ausgerichtetes Symposium namens Die dämonische Leinwand statt. Von 09:30 bis in den späten Abend bot dieses Forum Diskussionsanregungen zur Wiederbelebung des phantastischen Genre-Films, also die Sparte Fantasy, Horror und Sci-Fi. Grade hier in Deutschland ist man ja immernoch der Meinung, diese Genres sind nur Hollywood’s Traumschmiede vorbehalten. Das dies nur bedingt zutrifft bewies nicht zuletzt auch Guillermo del Toro’s Kriegsmärchen Pan’s Labyrinth.
Aber was Deutschland betrifft, so fröhnen wir nicht umsonst im Ausland den Ruf, ernste Menschen zu sein, die Dramen aus dem Hier und Jetzt inszenieren können, die meisten Versuche auf amerikanischen Wellen mitzuschwimmen (zum Beispiel im Zuge der Teenie-Slasher Welle), sind allerdings grandios gescheitert. Fast kein Wunder also, dass man bei einem TV-Redakteur auf Granit beisst, will man ihm einen phantastischen Stoff schmackhaft machen. Bleibt also nur das Kino.
Unserer kleinen studentischen Schar von interessierten und bekennenden Fans, nicht auch bereits das ein -oder andere Mal daran dachten, einen Horrorfilm zu drehen, bekam leider, seminarbedingt, nur die letzte Gesprächsrunde gegen 16:30 mit, an der Peter Henning, Filmemacher, Autor und Professor für Drehbuch, sowie Dozent für Dramaturgie an der ifs Köln, Benjamin Reding, Filmemacher aus Berlin, der mit seinem Zwillingsbruder Dominik Filme wie Oi Warning oder in jüngster Zeit Für den unbekannten Hund geschaffen hat, sowie Franz Müller, Filmemacher (z.B. Kein Science Fiction) aus Köln, teilnahmen. Thematisch ging es um die Chancen sich auf dem deutschen Markt mit einem phantastischen Stoff zu behaupten. Ergebnis: Die Chancen stehen schlecht. TV und Kino bieten wenig Anlaufschancen, im Ausland hätte man eher die Möglichkeit Geldgeber zu finden. Aber niemand schloss aus, dass die boomende Umstrukturierung der Branche hin zu Video-on-Demand und kostenfreien Filmen im Bereich YouTube und Co. sich nicht doch als Sprungbrett anbieten würde. Tipp von Peter Henning: Augen aufhalten, wie sich der Markt entwickelt und experimentieren.
Im Anschluss an diese recht interessante Runde, die jedoch beendet wurde, als sie grad richtig in Fahrt kam, gab es einen kleinen Umtrunk, dem sich ab 18:30 das Filmprogramm anschloss. Gezeigt wurden
Kaltmiete – Ein Film von Gregor Buchkremer, entstanden als Abschlussfilm an der KHM. Der mit 45 Minuten recht lang geratene Kurzfilm handelt von einer WG junger Leute, die Probleme mit einem ihrer Mitbewohner bekommen. Diese verlässt einfach nicht mehr sein Zimmer und meidet den Kontakt mit jedem. Als die friedlichen Versuche fehlschlagen, den Freund vor die Tür zu locken, beginnt der Psychoterror. Der Film lebt von seiner dichten Atmosphäre und einem recht gelungenen Twist am Ende, dennoch waren sich die meisten Zuschauer einig, dass die Geschichte auf 20 Minuten verkürzt eventuell mehr Würze gehabt hätte. Dennoch gelungen!
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NimmerMeer – Nicht nur Das Leben der Anderen hat in jüngster Zeit den Oscar nach Deutschland geholt. Dieser Film von Toke Constantin Hebbeln konnte diesen einheimsen, wenn auch in der Studentenversion. NimmerMeer erzählt die Geschichte vom kleinen Jonas, der mit seinem Vater Helge in einem kleinen Dorf lebt, in dem Helge der letzte Fischer ist. Jeden Tag fährt dieser auf See, doch der Fang wird immer geringer. Irgendwann kehrt Jonas Vater von See nicht zurück. Jonas kommt in die Obhut des Geistlichen Ekdahl, der den Jungen allerdings lieber züchtigt, als ihm Wärme zu spenden. Irgendwann besucht ein Zirkus das Dorf und Jonas wird von dem Zaubermeister Grido in eine wunderbare surreale Zauberwelt entführt. Die Welt, wie wir sie sehen, so die Moral, ist nur eine Verblendung des Fantastischen dahinter. Dieses studentische Werk der Filmakademie Baden-Württemberg schwelgt gradezu in wunderbar kunstvollen Bildern. Sowas sieht man sonst nur in Hollywood. Wunderbare Bilder, gepaart mit einer wunderbaren Story, die aber ruhig noch eine Spur phantastischer hätte sein können, hinterlassen ein beindrucktendes Gemälde junger Filmemacher. Hut ab.
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Das Waisenhaus – Zum Schluss gabs dann noch das Sahnehäubchen. In diesem Werk, koproduziert von Senior Guillermo Del Toro höchst persönlich, kehrt eine Frau mit ihrem Mann an den Ort zurück, an dem sie aufwuchs: Ein Waisenhaus am Meer. Mit im Gepäck haben sie ihren kleinen adoptierten Sohn, der scheinbar nur imaginäre Freunde hat. Bald häufen sich die mysteriösen Vorkommnisse und es wird klar, dass etwas schreckliches geschehen sein muss mit den Kindern des Waisenhauses. Als schließlich der kleine Sohn verschwindet, macht sich dessen Mutter auf eigene Faust auf die Suche nach Spuren und den Schatten der Vergangenheit. Tja, was soll man sagen zu diesem Debüt eines Juan Antonio Bayona? Grundsätzlich hat er sich in Del Toro einen marketingträchtigen Freund ins Boot geholt. Aber auch darüber hinaus weiß der Film zu überzeugen. Die Story verspricht Gänsehaut und die Schockeffekte sind einige der intensivsten der letzte Jahre, obgleich sie diese Wirkung hauptsächlich über Lautstärke erzielen. Bleibt abzuwarten, ob die Wirkung im Home Cinema die gleiche bleibt. Jedenfalls kommen die Schocks fast gänzlich ohne Splatter aus und wissen dennoch zu überzeugen. Wir sahen die spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln, was dem Ganzen aber keinerlei Abbruch getan hat. Daumen hoch!
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Mit einem letzten Kölsch ging der gelungene Abend dann zu ende.