Behind The Scenes

Gestern gab’s einen DVD-Abend der besonderen Art: Making Of’s am laufenden Band. Manchmal können diese oft verschmähten Extras auf der DVD noch interessanter und spannender sein, als der eigentliche Film, man mag es kaum glauben. Zumindest für den angehenden Filmemacher.

Begonnen wurde mit der Dokumentation Full Tilt Boogie (1997) von Sarah Kelly. Ein sehr intensives Making-Of und Behind-the-Scenes zu Rodriguez’ From Dusk Till Dawn (1996) in Spielfilmlänge. Auf sehr amüsante und sympahtische Art und Weise wird einem jedes noch so kleine Rädchen, das in die Produktion des kultigen Splatter-Road-Movie-Vampirstreifens involviert ist, vorgestellt. Dabei bleibt die Kamera aber auch immer nah dran an Tarantino, Clooney und Co. Wir sehen sie beim Dreh, in den Drehpause und beim Feiern, wenn z.B. Juliette Lewis in einer Karaokebar ein Ständchen zum Besten gibt. Ein Film, der sehr zu empfehlen ist, falls man Interesse daran hat, intensiv Set-Luft zu schnüffeln. Alles erscheint sehr familär und man kann sich als Filmemacher wirklich nur wünschen, ebenfalls eine solche Crew hinter sich zu haben.

Zweiter Film (oder vielmehr Filmreihe) ist Robert Rodriguez’ beliebte 10 Minutes Film School, die er episodenweise auf fast jeder seiner DVDs veröffentlicht. Besonders hervorheben möchte ich die erste Episode, die auf El Mariachi (1992). Hier erklärt der Regisseur, wie es möglich war, seinen Erstling mit nur 7000 Dollar Budget zu drehen. Außerdem ist ein früher Kurzfilm namens Bedhead enthalten, unbedingt reinschauen! Auf der Desperado-DVD erklärt Rodriguez, welche Vorbereitungen er trifft, um eine Schießerei aufzulösen. Da er Autor, Regisseur, Kameramann und Cutter in einem ist, fällt ihm die Visualisierung besonders leicht. Seine 10 Minutes Film School ist inzwischen so beliebt, dass er einen Schritt weiter geht und auf aktuelleren DVDs wie Sin City (2006) eine 15 Minutes Flic School oder 10 Minutes Cook School veröffentlicht hat.

Da wir gerade schon in dem Bereich sind, durfte natürlich das Making Of zu Kill Bill (2003) nicht fehlen, explizit Volume 2. Dies war aber, trotz informativer Statements der Stars, eine eher ernüchternde Erfahrung, da man höchstens anhand einiger Standfotografien oder weniger kurzen Szenen mal hinter die Kamera blicken durfte.

Als nächstes auf dem Plan stand dann das Making Of zu Sam Raimi’s The Evil Dead II (1987), aka The Gore The Marrier (2000). Hier wird vor allem auf die einfallsreichen und kostengünstigen Spezial- und Splattereffekte eingegangen. Der Regisseur selber kommt zwar nicht zu Wort, aber dafür dürfen wir ihm regelmäßig über die Schulter gucken, wenn er sein Schlachtfest inszeniert. Sehr zu empfehlen, vor allem für die Leute, die an SFX und ähnlichem interessiert sind.

Um weiterhin thematisch vorzugehen, wechselten wir nun zu Peter Jackson, der ja bekanntlich, als er noch jung war und das Geld brauchte, ebenfalls Splatterbomben filmte. Besonders aufschlussreich war dem entsprechend die Dokumentation zu seinem 4 Jahre währenden Erstling The Bad Taste (1987) die da heißt: Good Taste Made Bad Taste (1988). Günstiger kann man nun wirklich nicht produzieren. Alle Kostüme und Props selber basteln, als Schauspieler Arbeitskollegen und Freund einspannen, Mutter sorgt sich ums Catering, und dann gleich zwei Rollen selber übernehmen.  Wir erhalten einen Einblick in Jacksons Jugend und filmische Anfänge, verfolgen die improvisierten Dreharbeiten mit selbstgebautem Kran, Steadycam und Co. und erfahren, das der Regisseur eigentlich überzeugter Pazifist ist. Na ja. Auch interessant sind die ersten Versuche auf dem Gebiet Sprengstoff und die Erkenntnis, wie man Häuser am besten in die Luft jagt. Herrlich!

Zum Ausklang gabs dann auch was kulturelles, nämlich die Doku AK (1985) von Chris Marker über Akira Kurosawa und den Dreh zu RAN (1985). Dabei steht eindeutig der Meisterregisseur selber im Vordergrund als der Dreh zu seinem Kriegsepos. Ein ruhiges, fast stilles Gemälde eines der größten Regisseure aller Zeiten. Handwerklich überzeugend, und mit Sicherheit das teuerste Making Of in diesem Beitrag (gedreht auf 35mm, etc.), aber zugleich auch das ruhigste, untermalt nur vom Sprechertext, dem Wind am Fujiyama und dem original Geigen-Score zu RAN.

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